Die Harzbahn heute

Güterverkehr

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gelangten auch die bis dahin staatlichen Kalkwerke in Rübeland in private Hände. Die Fels-Werke GmbH werden hier längerfristig den qualitativ hochwertigen Kalk abbauen. Dadurch ist auch der Güterverkehr auf der Rübelandbahn gesichert, da die Fels-Werke zugesagt haben, mindestens 50% der Produktion auf der Schiene abzufahren. Andere Bahn-Kunden gibt es nicht mehr, nachdem - wie überall - die Ladestellen geschlossen wurden.

 

Zunächst hatte die DB-Cargo die Kalkzüge bespannt, wobei weiterhin die E-Loks der DR-Baureihe 251, jetzt von der DB als Baureihe 171 bezeichnet, eingesetzt wurden. Die Anlagen für den Elektrobetrieb wurden wegen fehlender Erhaltungs-investitionen so marode, daß der E-Betrieb am 16. März 2005 ganz eingestellt werden mußte. Bereits ab 2004 betätigten sich zunehmend Dieselloks der Reihen 232/241 und 218 auf der Bergstrecke. Proteste der Bevölkerung Rübelands ("Dunkle Abgaswolken über dem Bodetal") bewirkten zunächst, daß die Loks der Baureihe 232 abgasoptimiert wurden und fortan unter der neuen Bezeichnung 233 liefen. Die Güterzugleistungen der DB wurden dann ab dem 02. April 2005 sukzessive von der Ost-Havelländischen Eisenbahn, Spandau (OHE-Sp) über-nommen, die hauptsächlich "Blue Tiger"-Loks einsetzte, zeitweise auch eine Class 66. Die Gesellschaft führt heute den Namen Havelländische Eisenbahn (HVLE), um Verwechslungen mit anderen Privatbahnen zu vermeiden. 

 

Anhaltender Widerstand der Bevölkerung gegen die Dieseltraktion erzwang schließlich die Rückkehr zum E-Betrieb. Die Instandsetzungsmaßnahmen   wurden von der Landesregierung erheblich finanziell unterstützt. Am 17.04.2009 wurde der E-Betrieb wieder aufgenommen. Die HVLE setzt seitdem zwei Elektroloks der Baureihe 185 ein. Sollte der E-Betrieb ausfallen, stehen Dieselloks, unter anderem die moderne 285 001 als Ersatz zur Verfügung.

 

Wurden im Jahr 1996 nur 38% der Kalkprodukte per Bahn abgefahren, sind es im Jahr 2013 bereits 66%. Der Bahnanteil soll weiter erhöht werden und künftig in absoluter Zahl über 2 Millionen Tonnen betragen.

  

Personenverkehr

Bis zum 13. November 2000 zogen E-Loks der Baureihe 171 die Personenzüge. Danach kamen Dieselloks der Baureihe 218 mit Wendezügen zum Einsatz. Diese Züge waren bis Halberstadt durchgebunden.

 

Seit 30. Mai 1999 verkehren auf dem Teilabschnitt Elbingerode-Königshütte keine Personenzüge mehr.

 

Zum 11. Dezember 2005 hat das Land Sachsen-Anhalt die planmäßigen Personenzugleistungen auf der Rübelandbahn ganz abbestellt.

 

Seit Mai 2010 ist die betriebsfähig aufgearbeitete Dampflok 95 027 wieder in Blankenburg. Das Land Sachsen-Anhalt investierte nach eigenen Angaben 350.000 Euro in die Lok. Sie wird an einigen Wochenenden im Jahr Sonderzüge auf der Rübelandbahn bespannen. Zum ersten Fahrtermin am 22./23. Mai hatten Dampflok und Personale noch keine Genehmigung zum Befahren der Steilstrecke. Daher wurde ersatzweise die HVLE-Diesellok 285 001 vor einem Triebwagen des Vereins "Brücke" eingesetzt. Der Fahrplan solcher Sonderzüge wird einzig vom Bedarf der Fels-Werke bestimmt. Daher ist zur Zeit lediglich ein Zugpaar von Blankenburg nach Rübeland möglich, welches nach knapp 2 Stunden Aufenthalt wieder die Rückfahrt antreten muß.

Auf der "Talbahn" von Blankenburg nach Halberstadt verkehren seit Ende 2005  kleine Triebwagen der Veolia Verkehr Sachsen-Anhalt GmbH unter der Firmenbe-zeichnung HEX(!). Der Bahnhof in Blankenburg ist zur Haltestelle mit nur einem Bahnsteiggleis verkommen.

Infrastruktur der Rübelandbahn

Die Bahnhofgebäude von Blankenburg und Rübeland-Tropfsteinhöhlen wurden von der DB "im Paket" zusammen mit anderen Bahngebäuden an die Firma Patron Volker in Luxemburg verkauft. Der Kaufpreis für diese beiden Objekte betrug ??? Euro. Die Gebäude sind seitdem ungenutzt, werden nicht unterhalten und sind daher stark in ihrem Bestand gefährdet.

 

Der Personenbahnhof Blankenburg besteht nur noch aus dem Hausbahnsteig an Gleis 1, der zudem auch noch verkürzt wurde. Hier halten die kleinen Triebwagen aus Halberstadt. Die beiden Mittelbahnsteige verrotten. Dagegen wird der Orts-güterbahnhof neben den Bahnsteigen rege genutzt: Holz und Schotter werden hier umgeladen.

Nachdem die Streckenabschnitte Königshütte-Tanne und Elbingerode-Drei Annen bereits zu DDR-Zeiten stillgelegt und abgebaut wurden, ist im Mai 2014 ein Stück Strecke von Königshütte Richtung Elbingerode von der DB verkauft worden. Bereits 2013 hat die Untere Denkmalbehörde in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt die Genehmigung zur Weg-nahme bzw Abbruch der Oberleitungsmasten und der Gleise erteilt. Davon ver-lautete leider nichts in den Medien.  

Die Betriebsinfrastruktur der Rübelandbahn wurde 2005 von der DB zur Über-nahme ausgeschrieben. Ein Käufer fand sich zunächst nicht. Allerdings pachteten die Fels-Werke die Strecke ab dem 01.05.2006. Dazu wurde ein Eisenbahn-Infrastrukturunternehmen (EIU) namens Fels Netz GmbH gegründet. Umgehend legte Fels Netz alle nicht notwendigen Betriebseinrichtungen still und führte einen vereinfachten Betriebsablauf ein.

Damit konnte im Prinzip nur noch ein Zug in die Rübelandbahn einfahren, ein zweiter Zug muß warten, bis der erste die Strecke wieder verlassen hat. Die Bahn ist nun ein reiner Werksanschluß für die Fels-Werke GmbH. Personenverkehr ist unter diesen Bedingungen kaum mehr möglich. Im April 2009 erfolgt die Rück-kehr zum Elektrobetrieb. Im Jahre 2011  wurde dann der sogenannte "Technisch unterstützte Zugleitbetrieb" eingeführt. Damit können jetzt wieder mehrere Züge gleichzeitig auf der Strecke verkehren.

 

Fels-Netz hat die Strecke 2012 käuflich erworben. Der Kaufpreis betrug ??? Euro. Insgesamt wurden 7,2 Millionen Euro investiert, wovon 2,6 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt beigesteuert wurden. 

Aus einer Präsentationen der FELS-Werke GmbH vom Juni 2013
Aus einer Präsentationen der FELS-Werke GmbH vom Juni 2013